Vinyl-Review // Schallplatten-Waschmaschine – Knosti Disco-Antistat

Sauberes Vinyl ist eine elementare Grundvorausetzung für guten Klang und den Erhalt der geliebten Schallplatten-Sammlung. Staub und Haare setzen sich auf den Platten ab und werden im schlimmsten Fall bei suboptimaler Lagerung bis tief in die Rillen gedrückt. Das Ergebnis: Knistern und eine deutliche Verschlechterung des Klangbildes, da die Nadel nicht mehr die ganze Rille abtasten kann. Deren Verschließ selbiger erhöht sich im Übrigen durch den Schmutz ebenfalls. Die mit der Zeit nunehmende statische Aufladung der Schallplatte sorgt dafür, dass der Nachschub an frischen Schmutz auch nicht abreißt.

Schnell wid dem Vinyl-Liebhaber klar: So nicht ! Eine Waschmaschine muss her. Mindestens ebenso schnell wird er feststellen, dass für ein entsprechendes Gerät im günstigsten Fall 500 € den Besitzer wechseln müssen. Bei seinen Recherchen wird er aber auch auf die für Rund 50 € angebotene Disco-Antistat aus dem Hause Knosti stoßen. Preislich erstmal attraktiv, aber funktioniert das auch ?

Ich selbst stand vor der gleichen Aufgabe und habe den Versuch mit der Knosti gewagt. Inzwischen habe ich um die 200 Platten mit ihr gewaschen und möchte hier nun meine Erfahrungen und Eindrücke teilen.

 

Lieferumfang

 

 

Das set besteht aus

  • Einem Wasch-Gehäuse
  • dem Abtropfständer
  • Label-Dichtschalen
  • Adapter-Ring für Singles
  • 1L Reinigungsflüssigkeit (Wiederverwendbar)
  • Trichter und Filtern zum filtrieren der Reinigungsflüssigkeit

Die Reinigungsflüssigkeit sowei die Filtereinsätze für den Trichter sind Verbrauchsmaterialien. Die Flüssigkeit wird zwar nach jeder Anwendung gefiltert und ist damit wiederverwendbar, jedoch geht bei jedem Durchgang etwas von der Flüssigkeit verloren. Die Filter sind nach zweimaliger Anwendung meist zu stark verschmutzt und müssen entsorgt werden. Die Reinigungsflüssigkeit kann natürlich einzeln nachgeordert werden. Mit jeder Flasche werden auch neue Filter mitgeliefert. Für 200 Platten habe ich in etwa 3 Flaschen Flüssigkeit benötigt. Die „Reichweite“ variiert natürlich mit dem Grad der Verschmutzung sowie der Geschicklichkeit beim Filtrieren (Dazu später mehr).

 

Der Reinigungsvorgang

 

 

Hier ein typisches Beispiel einer Platte von 1983, welche ich gebraucht erstanden habe. Staub und Haare auf der kompletten Fläche. Das Vinyl statisch geladen wie es ist, lässt die Haare am Unterarm zu Berge stehen. Ein Zustand, indem ich keine Platte der Welt abspielen möchte.

 

Zunächst befüllen wir das Wasch-Gehäuse mit der Reinigungsflüssigkeit. Die beiden Bürsten sollten gerade so mit der Flüssigkeit bedeckt sein.

Nun nehmen wir die beiden Dichtschalen zur Hand und verschrauben sie mit der zu reinigenden Platte. Die Schalen decken das Label genau ab. Nur nicht zu zögerlich: Hier kann ruhig fest zugeschraubt werden. Aber bitte mit Gefühl: Nach fest kommt bekanntlich ab !

 

 

 

 

Nun stellen wir die mit den Dichschalen verschraubte Platte zwischen die Bürsten in das Wasch-Geäuse.

Die Achse der Dichtplatten muss vollständig in den Führungsrillen des Wasch-Geäuses einsinken. Nun drehen wir die Platte mehrmals komplett durch die Reinigungsflüssigkeit. Die Bürsten reinigen dabei jede Rille der Platte.
Je nach Verschmutzungsgrad drehen wir mehr oder weniger. Zu viel drehen kann man hier meines Erachtens nicht. Ich drehe ca. 20 Umdrehungen in jede Richtung. Damit ist so gut wie jede Platte sauber. Bei hartnäckigen verschmutzungen lasse ich diese auch mal 3 – 4 Minuten in der Flüssigkeit „einweichen“.

 

 

Jetzt nehmen wir die Platte aus dem Gehäuse und lassen die Reinigungsflüssigkeit erst einmal abtropfen.

 

Danach schrauben wir den oberen Teil der Dichtplatte (der ohne Achse) ab und legen ihn auf unsere Arbeitsfläche. Nun können wir das nasse Vinyl mit der anderen Hälfte der Dichtplatte stabil abstellen und die Schallplatte von der Achse nehmen.

 

 

 

Die Reinigungsflüssigkeit trocknet / verdunstet dank des hohen Alkoholgehalts selbstständig. Dazu stellen wir die nasse Schallplatte nun in den Abtropfständer.

 

Um Kratzer zu vermeiden bitte unbedingt darauf achten, dass die Platte bei Einführen schräg gehalten wird und sie damit die Stützen nicht berührt. Erst wenn der Rand der Platte den Boden des Abtropfständers berührt, sollte diese im rechten winkel abgestellt werden.

 

 

Laut Hersteller dauert der Trockungsvorgang etwa 7 Minuten. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Ich lasse die Platten mindestens eine Stunde lang trocknen. Damit ist für mich sicher genug, dass auch die Labels sauber durchgetrocknet sind. Auch nach einer Stunde finden sich noch vereinzelt Tropfen auf der unten stehendenen Auslaufrille, welche ich mit einem Microfasertuch vorsichtig nachtrockne. Insgesamt passen acht Platten auf den Abtropfständer.

 

Mit jeder gereingten Schallplatte verbleibt logischerweise mehr Schmutz in der Reinigungsflüssigkeit. Diese sollte daher spätestens nach 8 (bei starker Verschmutzung besser bereits nach 4) Platten gefiltert werden. Hierzu setzen wir ein Filterflies in den Trichter ein und decken dieses mit der gelochten Platte ab. Nun gießen wir die Reinigungsflüssigkeit durch den Trichter wieder zurück in die Flasche. Der Schmutz bleibt dabei im Flies hängen und die Flüssigkeit kann erneut verwendet werden.

 

Eine saubere Sache

 

 

Das Reinigungsergebnis kann sich absolut sehen und hören lassen. Das Vinyl erstrahlt in womöglich lange nicht mehr da gewesenen Glanz und ist absolut antistatisch. Der optische Eindruck bestätigt sich auf dem Plattenteller. Lästiges Knistern und Knacken gehört der Vergangenheit an. Ein mancher, der noch nie eine frisch gewaschene Platte abgespielt hat, wird seinen Ohren nicht trauen. Selbst nagelneues Vinyl klingt selten so störungsfrei und glasklar.

 

Nicht alles Gold was glänzt

 

So überzeugend das Ergebnis auch zunächst ist, gibt es auch hier bei näherer Betrachtung Anlass zur Kritik.

 

Vorneweg, der Abtropfständer. So sind die Kanten zwar mit einem glatten Kunststoff überzogen, der die Platten vor Kratzern schützen soll. Das klappt leider nur mäßig. Die Kanten sind vor allen an der Unterseite viel zu scharf. So besteht vor allem beim Herausnehmen der Schallplatte Gefahr sich richtig üble Krater einzufangen. Deshalb immer die Platte schräg stellen beim rein – und rausnehmen !

 

Der Hersteller gibt an, dass die Reinigungsflüssigkeit Rückstandsfrei verdunstet. Spätestens nach dem Abspielen bleiben kleine Mengen Rückstände an der Nadel zurück. Einen klanglich negativen Effekt konnte ich bislang dadurch nicht ausmachen. Vereinzelt sind nach dem Trocknen Flecken auf dem Vinyl zu erkennen. Die Rückstandsfreie Verdunstung kann ich daher nicht ganz bestätigen.

 

Die Dichtplatten sollen die Labels vor dem nass werden schützen. Dies ist mir leider auch nach 200 gereinigten Platten nicht einmal gelungen. Die Ränder der Labels werden einfach immer nass. Ohne die Platten wäre es vermutlich deutlich schlimmer, aber 100%ig funktioniert das leider auch nicht. Bisher hat sich jedoch keines meiner Labels dadurch gelöst. Je nach Farbe des Labels und Lichteinfall bleibt ein glänzender Rand auf den Labels zurück.

 

Schlecht durchdacht ist ebenfalls das Design des Wasch-Gehäuses, wenn es darum geht die Flüssigkeit in den Filter-Trichter zu füllen. Es geht einfach viel zu viel Flüssigkeit daneben. Den größten Verlust hat man dadurch in der Tat beim Filtrieren der Flüssigkeit. Mit etwas Übung lässt sich dies zwar minimieren, jedoch wäre hier Nachbesserung wirklich wünschenswert.

 

Nicht ganz außer Acht lassen sollte man weiterhin den nicht ganz unerheblichen Zeitaufwand. Um acht Platten zu waschen und zu trocknen sollte man schon mindestens 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Eben mal eine Platte vor dem Hören zu waschen: Fehlanzeige.

 

Fazit

 

Insgesamt überzeugendes Reinigungsergebnis bei absolut ungeschlagenem Preis – Leistungsverhältnis. Ich möchte dieses Set wirklich jedem, der nicht über ein entsprechend hochpreisiges Gerät verfügt, ans Herz legen. Für die Rund 50 € gehört die Disco-Antitat für mich zur Absoluten Grundausrüstung. Ich spiele keine Platte mehr ohne vorherige Behandlung mit meiner Knosti ab. Ich reinige selbst nagelneue Schallplatten.

 

Das Sytem ist nicht perfekt. Mit etwas Übung lassen sich die Auswirkungen der Mängel jedoch minimal halten. Besser gehts dann wohl nur mit deutlich teureren Maschinen, die über eine Absaugvorichtung verfügen. Jedoch auch Besitzer von Teurer Schallplatten-Waschmaschinen verwenden die Knosti teilweise noch als „Vorwaschprogramm“. Die Anschaffung lohnt also offensichtlich unabhängig von zukünftigen Kaufabsichten.

 

Unter Berücksichtung aller Aspekte komme ich auf folgende Endwertung für die Disco-Antistat

 

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